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Freitag, 14.11.2008

Tanke mit mir in den Morgen - Eine Zeitreise rund um das Thema "Öffnungszeiten an Tankstellen"

 

Die langen Öffnungszeiten tragen als Hauptmotor wesentlichen Anteil zu den guten Shop-Umsätzen an Tankstellen bei. Nahezu rund um die Uhr laden die Shops an den Tankstellen den Kunden ein, sich mit seinem Bedarf an Süßem, Leckeren, Trinkbarem, Spielbarem, Lesbarem usw. umfassend einzudecken. Die ?Tanke? ist nicht umsonst Treffpunkt der modernen und mobilen Gesellschaft, besonders die spontane jüngere Generation weiß es zu schätzen, dass dort, wo man rund um die Uhr für die Durststillung ihrer fahrbaren Untersätze sorgt, auch in den Abend- und Nachtstunden immer noch ein Shop geöffnet ist, der sich um die Wünsche rund um das leibliche Wohl kümmert. Eine Selbstverständlichkeit der heutigen Zeit.

 

Noch in den siebziger Jahren war das ein frommer Wunschtraum. Die Tankstellen, von denen es damals eine Vielfache der heutigen Anzahl gab (rund 45.000), hatten sich bezüglich der abendlichen Schließungszeiten weitestgehend den Gepflogenheiten des übrigen Einzelhandels angepasst. Zwischen 18:00 und 18:30 sperrte der Tankstellenpächter seinerzeit die Türen und Tore seiner Tankstelle zu. Wer danach noch Kraftstoff benötigte, hatte das Nachsehen und keine Chance irgendwo auf eine geöffnet Tankstelle zu treffen. Auch am Samstag war gegen 14:00 Uhr das Ende der Benzin-Konsummöglichkeit gekommen. Es gab ihn noch nicht, diesen Gorbi-Satz: ? Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben?, der die Situation des damals  nach Tankmöglichkeit verzweifelt Ausschau haltenden Kraftfahrer so zutreffend beschreibt. Der Sonntag gehörte der Tankstellenpächterfamilie und dem lieben Gott, aber keinesfalls der Tankstelle.  Es war die Hoch-Zeit der Reservekanister in Kellern, Garagen und den Kofferräumen der Autos, Reserven die sich der kluge und vorsorgende Autofahrer für diese Notfälle bunkerte. Geben sich heutzutage die jungen Autofahrer untereinander Tipps, an welcher Tankstelle die Snacks besonders gut schmecken oder wo das CD-Angebot besonders reichhaltig und günstig ist, so kursierten in den Siebzigern unter den jungen Leuten Tipps und Anfahrtspläne zu Tankstellen, die an Autobahnen oder Schnellverkehrsstraßen gelegen rund um die Uhr geöffnet waren, um dem Reisenden unterwegs Möglichkeit zum Auftanken zu gewähren. Die Kraftstoffpreise an diesen Stationen waren  alles andere als konkurrenzfähig, aber in der Not.......

 

Natürlich haben irgendwann einmal die Tankstellenkonzerne die Nöte der Autofahrer aufgegriffen und über Auswege aus der allabendlichen Versorgungskrise nachgedacht. Der Berg kreiste um die Maus und gebar das Ei des Kolumbus, wie man damals glaubte: Das Münztanken. Meist wurde an der Tankstelle eine Zapfsäule für Superkraftstoff mit einem System ausgerüstet, dass ähnlich wie beim Münzfernsprecher Münzen aufnahm und dafür eine entsprechende Menge von Kraftstoff abgab. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich das Münztanksystem durch die deutschen Landen und schon bald hatten fast alle Mineralölgesellschaften das Münztanken in ihrem Angebot. Für die abendlichen Versorgungsengpässe aufgrund  leerer Tanks war somit Abhilfe geschaffen, der Tankwart durfte weiterhin früh heim zu Frau und Kindern, weil in der Nacht die Münzzapfsäule für den Kraftstoffabsatz wach blieb. Dieses Münztanksystem scheiterte jedoch letztlich, weil die Unterhaltskosten für die Gesellschaften viel zu hoch waren. Es wurde förmlich zum Volkssport zu versuchen, sich möglichst kostenlos am Münztanksystem zu bedienen: Falschmünzen, Verstopfungen der Münzeinwurfschlitze und gewaltsame strafbare Manipulationen an der Technik führten dazu, dass die Münzsäulen wieder zurückgebaut werden mussten.

Zeitweise erwägte die Tankstellenbranche einen ?Apothekendienst? für Tankstellen im Sinne einer Notversorgung einzurichten. Diskutiert wurde, dass in den einzelnen Teilmärkten reihum zumindest eine Tankstelle in den Abendstunden, an Wochenenden und Feiertagen geöffnet hält. Durch die weitere Entwicklung der Öffnungszeiten geriet diese Episode wieder in Vergessenheit.

 

Ende der siebziger und zu Beginn der achtziger Jahre war das personal- und kostenintensive "Bedienungstanken" auf dem deutschen Tankstellenmarkt schon sehr weit zurückgedrängt zugunsten der "Selbstbedienung" bzw. dem "Selbsttanken". Eine Kassenkraft - mehr benötigte eine Tankstelle nicht mehr, um einen Tankbetrieb aufrecht zu erhalten. Es war die Zeit als man in den Konzernzentralen die Begrenztheit des Kraftstoffmarktes mehr und mehr in den Bilanzen schmerzlich zu spüren begann. Da der Markt nicht weiter expandieren konnte, sah man vielerorts die Ausweitung der Öffnungszeiten als das probate Mittel, die stockenden Kraftstoffabsätze wieder anzukurbeln. Jetzt sollte der Kunde möglichst auch in den Abend- und frühen Nachtstunden zur Tanke gebeten werden. Ausserdem entdeckten die Tankstellenmarktstrategen das Wochenende und die Feiertage als die ideale Abschöpfungsmöglichkeit von Kraftstoffabsätzen für ihre Tankstellenkette. Es begann ein Rennen der Öffnungszeiten in den einzelnen Tankstellenteilmärkten vor Ort. Sobald irgendwo ein Wettbewerber seine Öffnungszeit verlängerte, war es nur eine Frage von wenigen Tagen, bis auch die übrigen Tankstellen im betreffenden Teilmarkt ihre Öffnungszeit verlängerten.

 

So verschob sich der Feierabend an den Tankstellen dieser Republik immer weiter in Richtung Nacht und "Rund-um-die-Uhr-Betrieb". Eine Neugestaltung bzw ein Neubau einer Tankstelle rechnete sich für die Tankstellenketten nur noch, wenn auch die Umsätze in den Shops stimmten. Also mussten die Shops besonders zu den Zeiten Flagge zeigen, an denen die Kioske oder Einzelhandelsgeschäfte geschlossen sind - des abends, des nachts und an den Sonn- und Feiertagen eben. Natürlich ist es für die Betreiber der Tankstellen, die Tag und Nacht geöffnet sind, nicht immer leicht, den reibungslosen Mehrschichtenbetrieb der Tankstelle zu gewährleisten, hier ist sehr viel unternehmerisches Können gefragt. Die Frage, ob der spitze Bleistift die Wirtschaftlichkeit des Nachtbetriebes für den Tankstellenpächter bejaht, sei hier nur am Rande gestellt.

 

Es ist ein Stück Lebensqualität, dass wir als autofahrender Tankkunde und Verbraucher erhalten, wenn wir uns zu nächtlicher Zeit durch die Städte bewegen und uns dabei von den geöffneten hellerleuchteten Tankstellen anlocken und zur "Einkehr" einladen lassen.

 

Sonntag, 22.06.2008

Tankstelle gestern und heute - Teil 16 b: Die Tankstelle und das liebe Geld – Die Einnahmen

 

Über die Provisionseinnahmen, die der Tankstellenpächter bei den Kraftstoffverkäufen erzielt, haben wir uns in der letzten Folge dieser Reihe unterhalten. Grundsätzlich basiert das Geschäft eines Tankstellenpächters auf zwei Säulen: Dem Agenturgeschäft und dem Eigengeschäft. In erster Linie ist ein Tankstellenbetreiber ein „Verkaufsagent“ soweit er mit einem Tankstellenkonzern „verbandelt“ ist (in den meisten Fällen jedenfalls). Dies bedeutet, dass er die Agenturware –Kraft- und Schmierstoffe und Frostschutz – ausschließlich von seiner Vertragsfirma bezieht, die auch das alleinige Recht der Preisgestaltung innehält. Für seine Verkaufsbemühungen erhält er einen vertraglich festgesetzten Obolus gemäß Provisionstabellen beim Kraftstoff bzw. Einkaufspreis-/Verkaufspreistabellen für Schmierstoffe und Frostschutz. Selbstverständlich variieren die Bezeichnungen und Regelungen von Gesellschaft zu Gesellschaft.

 

Das Shopgeschäft wird in der Tankstellenbranche unterschiedlich vertraglich geregelt, entweder als Teil des Agenturgeschäftes oder als alleiniges Eigengeschäft des Tankstellenbetreibers. Ganz gleich ob der Tankstellenpartner als Agent oder als Verkäufer im Rahmen seines Eigengeschäftes auftritt, haben sich die Tankstellenkonzerne das Sagen oder die Mitsprache bei der Sortimentsgestaltung und oft auch bei den Beschaffungswegen nicht aus den Händen nehmen lassen. Auch die Ausstattungsrichtlinien der Tankstellenkonzerne für Shops und Bistros binden den Tankstellenpächter meist in das Korsett der Konzern-Marketingstrategien. Meist bleibt jedoch noch ein kleiner Freiraum für den Stationär, den er oftmals für das Anbieten regional nachgefragter  Produkte nutzt.

 

Die dritte Einnahmesäule für einen Tankstellenpächter besteht aus dem Geschäft rund um die Pflege und Instandsetzung von Autos. Dabei sei an erster Stelle das Autowaschgeschäft über automatische Bürstenwaschanlagen oder sogar Waschstraßen genannt und die Innenreinigung über Münzstaubsauger (hierzu kommen wir in späteren Artikeln innerhalb dieser Reihe dezidiert zurück).

Das Autoreparaturgeschäft hat in den letzten Jahren an den Tankstellen stark an Bedeutung verloren (Stichwort: Verbesserte Fahrzeugqualität, verlängerte Wartungsintervalle usw.). Dieser Entwicklung folgend, wird die Tankstelle mehr und mehr zum Handelsbetrieb, der dem heutigen Tankstellenbetreiber vertiefte kaufmännische Kenntnisse und Fähigkeiten abverlangt. Seit fast einem Jahrzehnt finden Autopflege- und Reparaturhallen bei   Neu- und Umbaumaßnahmen von Tankstellen bei einer Reihe von  Mineralölgesellschaften keine Berücksichtigung mehr.

 

Ansonsten bleibt es der Phantasie und dem verkäuferischen Talent des Tankstellenpächters und den örtlichen Marktbedingungen überlassen, auf welchen weiteren Feldern er innerhalb des Tankstellengeschäftes sein Glück sucht: Autovermietung, Videothek, Getränkemarkt, Gebrauchtwagen, Vermittlungsgeschäfte z. B. in der Telekommunikation um nur einige zu nennen.    

 

Als grobe Faustformel kann man von einer Drittelung der Einnahmeverteilung eines Tankstellenpächters im Regelfall ausgehen, d. h. je ein Drittel aus dem Kraft- und Schmierstoffverkauf, dem Shop- und sonstigem Eigengeschäft und last but not least der Autowäsche.

 

Mittwoch, 06.02.2008

Tankstellen-Netze

 

Nach den jüngst veröffentlichten Zahlen des „Erdölinformationsdienstes-EID“ nimmt die Anzahl der Tankstellen in Deutschland weiter ab. Die Nase vorn im Konzert der Tankstellengesellschaften behält nach wie vor die im BP-Konzern beheimatete Aral AG mit 2275 Tankstellen. Innerhalb von 24 Monaten haben 171 Aral-Tankstellen endgültig den Markt verlassen und wurden ausgebaut. Als „ewiger Zweiter“ lauert die Shell dicht dahinter auf ihre Chance mit 2156 Tankstellen. Statt einer weiteren Abschmelzung des Netzes kam es bei Shell mit 14 Tankstellen sogar zu einer Ausweitung der Tankstellenanzahl innerhalb der letzten 2 Jahre. Nennenswerte Tankstellennetz-Erweiterungen können mit 40 Zugängen ansonsten lediglich bei der polnischen Mineralölgesellschaft Orlen registriert werden; Orlen flaggt derzeit ihre Tankstellen auf die firmeneigene Marke „Star“ um.. Die weiteren Einzelheiten entnehmen Sie bitte den beiden nachstehenden Schaubildern. Bitte beachten Sie, dass wir keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben leisten können.